Nein, er passt in keine Schublade, der 42jährige Wiener Peter Wehle. Er ist Doktor der Musikwissenschaft und gerade dabei, sein zweites Doktorat in Psychologie zu erwerben. Vornehmlich trifft man ihn auf Kleinkunstbühnen an, wenn er nicht gerade aus seinem jüngsten Buch „Haydn, Haydn über alles“ liest. Gerne auch an ungewöhnlichen Orten, wie kürzlich auf dem Wiener Zentralfriedhof. „Ich hätte kein Problem damit, wenn ich in eine Schublade passen würde“, gesteht der Allrounder, der weiß, dass sich Veranstalter zuweilen schwer tun, ihn einzuordnen. Ein Kabarettist (wie der berühmte, gleichnamige Vater) ist er nicht, ein Comedy-Star auch nicht. Kleinkunst, das ist das Feld, das ihm am nächsten kommt. Und auf diesem ist er Einzelkämpfer.
Peter Wehles Theaterstücke sind One-Man-Shows. „Für 1 Klavier und 1 Spieler“ wie er gern sagt. „Making Mozart“ ist der Publikumsliebling unter seinen Bühnenwerken, die allesamt um das Leben großer Komponisten kreisen: Haydn, Mozart, Schubert… Doch wer glaubt, dass der Dr. phil. in die Rolle des Tonkünstlers schlüpft, wird enttäuscht: Beim Haydn-Stück ist er Napoleon, „der zur Strafe dafür, dass er so viele junge Leute in den Tod führte, als Fremdenführer in einem Haydn-Museum büßen muss“. „Bei Mozart bin ich ein Unter-Teufel, ein Klein-Teufel, der sich ums Mozart-Marketing Sorgen macht.“ Mit Bleistiftspitzern, Kaffeetassen, T-Shirts oder Schokoladenkugeln mit Mozart-Konterfei zieht der Teufel den Menschen das Geld aus der Tasche „und die Hölle freut sich über jeden unnötig ausgegebenen Cent“, lacht Wehle. Bis Mozart sich verselbständigt und der Teufel das Nachsehen hat.
Sind Peter Wehles Stücke abendfüllend? Er selbst meint ja, aber als er im Mainzer Unterhaus gastierte, beklagte die Kritik, dass „Making Mozart“ mit 75 Minuten zu kurz sei. Kann es ein schöneres Kompliment für einen Autor geben? Kurzerhand erhöhte er seine Darbietung auf 85 Spielminuten. Verpassen sollte man möglichst keinen Moment, denn „ ... ein Naseputzen kostet zwei Pointen“.
Wo er sie hernimmt, seine Ideen und Verrücktheiten, das umschreibt der Psychologe ganz fachgemäß: „In der Psychologie gibt es die drei großen ‚Bs’: Bed, Bicycle, Bath. Ich bade gern und im Bett fällt mir oft etwas ein. Ich radle zwar nicht, aber gehe viel spazieren.“
Zu Haydn ist ihm anlässlich dessen 250. Todestag natürlich auch etwas eingefallen: Ein Lesebuch zum Nachschlagen mit dem melodiösen Titel: „Haydn, Haydn über alles“. Locker und nonchalant bringt er dem Leser, der durchaus Interesse, aber keine fundierten Vorkenntnisse braucht, den großen Wiener Klassiker nahe. Und erbringt den Beweis, dass musikwissenschaftliches Fachwissen nicht trocken und ermüdend sein muss, wenn man weiß, wie man es vermittelt: mit leichter Hand und unnachahmlichen Humor. So hat er es schon mit Mozart gemacht und ähnlich wird er in seinem nächsten Buch über Gustav Mahler vorgehen. Auch wenn er bei Mahler ernstere Töne anschlägt. Wehle will all jene, die mehr über den Komponisten und seine Zeit erfahren wollen, mitnehmen in „eine der spannendsten Epochen Wiens, die große Umbruchzeit zwischen 1880 und dem Ersten Weltkrieg“.
Doch bevor er dieses Buch im nächsten Jahr zu Mahlers 150. Geburtstag und 100. Todestag herausbringt, steht die zweite Dissertation an. Sie befasst sich mit psychoakustischen Problemen, fragt nach der Schallverarbeitung im Gehirn. Derweil entspannt er bei der Lektüre eines Statistik-Lehrbuchs, das er zum 27. Mal durcharbeitet - für ihn „eine Insel der Ruhe“. Zerstreuung bietet ihm auch das Schreiben eines Kriminalromans, der noch in diesem Sommer fertig werden soll, und den er im Lungau (Salzburger Land) entwarf, als er dort kurze Zeit Mittelschullehrer war.
So wie der sprachwitzige Individualist es versteht, spielerisch von der Wissenschaft in die Kunst überzuwechseln, so wechselte er bisweilen auch in ganz bürgerliche Berufe: Vor seiner Lehrertätigkeit arbeitete er als Musikwissenschaftlicher Assistent an der Uni, schrieb die Mitarbeiter-Zeitung für die Österreichischen Bundesbahnen und war sogar Angestellter im Sozial- und Gesundheitsbereich des Landes Niederösterreich.
Aber am liebsten schreibt er ... und auf der Bühne steht er auch sehr gerne: Allein. Wie er es bereits mit 5 Jahren bei seinem Konzertdebüt tat. Sein Credo: „Wenn ich Blödsinn mache, mach’ ich den alleine. Ich muss mich nachher nicht entschuldigen und vorher nicht streiten und kann auf der Bühne schneller reagieren.“

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