Frank Bungarten spielt Villa-Lobos
Heitor Villa-Lobos (1887-1959) – Sämtliche Werke für Gitarre solo 
Frank Bungarten, Gitarre
Suite populaire brésilienne • Douze Etudes (1928)
Cinq Préludes (1940) • Chôro No. 1
Bestellnummer: MDG 905 1629-6 (Hybrid-SACD)

Pressetext

Frank Bungarten gehört seit über zwanzig Jahren zur Weltspitze seines Fachs. Musikalisch sieht er sich „irgendwo zwischen Claudio Arrau und John Coltrane“. Er gehört zu den stillen Musikergrößen, die keinen Wert auf Ruhm und Schlagzeilen legen. Seine Einspielungen überraschen durch originelle Konzeption und setzen stets interpretatorische Maßstäbe.

Die neueste Aufnahme, veröffentlicht bei MDG-Musikproduktion Dabringhaus & Grimm, ist dem brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos gewidmet. Der exzentrische Autodidakt hinterließ eines der größten Gesamtwerke der klassischen Musik und gilt als bedeutendster Komponist Lateinamerikas.

Obwohl Villa-Lobos selbst hervorragend Gitarre spielte und das Instrument intensiv nutzte, um seine musikalischen Einfälle festzuhalten und auszukomponieren, hat er für „sein“ Instrument sehr wenig geschrieben. Sein Beitrag zum Repertoire der Gitarre ist jedoch einzigartig in der Verbindung von kompositorischer Originalität und spieltechnischer Durchdringung der instrumentalen Möglichkeiten.

„Ich komme von der improvisierten Musik. Ich habe auf der Gitarre als Autodidakt angefangen und improvisiert. Ich habe ganz lange als Saxophonist gearbeitet. Das hatte ich mir überhaupt nur selbst beigebracht. Ich kenne also den Standpunkt des Autodidakten. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, wie es bei Villa-Lobos war, dessen Werdegang als Komponist ganz ähnlich verlief...“ sagte Frank Bungarten im Gespräch mit Norbert Ely.

Die drei hier präsentierten Zyklen entsprechen den drei großen Schaffensperioden Villa-Lobos’. Die Suite populaire ist eine Zusammenstellung von Stücken aus der frühen Zeit, die Villa-Lobos’ Meisterschaft in der Umsetzung des Chôro-Stils auf der Gitarre Ausdruck verleiht. Die Komposition der Douze Etudes fällt in die bedeutendste schöpferische Phase des Komponisten um 1920, zwischen seinem ersten Paris-Aufenthalt und der endgültigen Rückkehr nach Brasilien. Sie waren der bahnbrechende Auftakt einer modernen Gitarrenmusik, in Umfang und Virtuosität bis heute unübertroffen. Die Preludes gehören zu den meistgespielten Gitarrenstücken des 20. Jahrhunderts. Entstanden 1940 in seiner kompositorischen Spätphase, greifen sie großzügig auf den enormen Klangfundus des Komponisten zurück.

„Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, wie ich diese CD aufbaue und in welcher Reihenfolge die Stücke gespielt werden. Im Prinzip ist die CD chronologisch aufgebaut. Das beginnt mit den frühesten Stücken, mit der „Suite populaire brésilienne“. Dann kommen die „Études“ - das ist die reife Phase von Villa-Lobos. Die „Préludes“ gehören der Spätphase an, wo er noch einmal zurückblickt und zu allem noch einmal seine spezifische Sprache findet. Und den „Chôro Nr.1“ spiele ich als Zugabe. Das ist das einzige Stück, das nicht in der historisch richtigen Reihenfolge kommt, sondern wie eine Zugabe im Konzert. Und das noch einmal zusammenfaßt und einen versöhnlichen Ausklang bildet. Die Interpretation ist angelehnt an die chôro-Technik in Brasilien, wo man auf der Straße gespielt hat und in Salons und wo man Open Air gespielt hat mit einer Kraft und einer Freiheit und einer Fähigkeit zum Improvisieren, wie dies alles in der klassischen Musik eigentlich gar nicht mehr vorkommt“ sagte Frank Bungarten im Interview.

Frank Bungarten spielt sämtliche veröffentlichte Solowerke Villa-Lobos’, revidiert nach den authentischen Handschriften und Fingersätzen des Komponisten. Für diese Aufnahme verwendet er eine Gitarre von Gerhard Schnabl, Nr. 620 XII 2000, spruce, Brazilian tulipwood. „Diese Gitarre ist die einzige auf der Welt, die aus brasilianischem tulip wood, aus palo rosa, gebaut wurde, und zwar aus einem Brett. Diese Gitarre ist ein ganz besonderes Instrument. Sie ist bewußt für diese Aufnahme gewählt“ erklärt der Musiker im Gespräch mit Norbert Ely.

Hören Sie hier das Interview mit Norbert Ely.

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