Arnold Schönbergs Klavierstücke sind hoch sensible und dennoch expressive Kreationen. Sie sind gedankenschwer, aber auch leicht. Laut und leise. Fundamental und schwebend. Sie wären auch mit dem Begriff „atonal“ zu beschreiben. Schönberg selbst spricht aber von „atonikal“ und von „pantonal“. Damit meint er, dass die Tonalität nicht gänzlich aufgehoben, sondern in Relikten noch vorhanden ist. Schönberg komponiert innovativ und orientiert sich dennoch subtil am Alten, an Beethoven und Brahms. Seine Musik ist vieles. Sie verlangt größte Aufmerksamkeit.
Musikproduktion Dabringhaus & Grimm bringt mit dem Pianisten Hardy Rittner das komplette Klavierwerk des kompositorischen Autodidakten heraus und stellt sich der großen Herausforderung Schönberg. Hardy Rittner, Echo-Klassik-Preisträger 2009 als „Nachwuchskünstler des Jahres“, beginnt schon vor dem Spiel zu interpretieren, nämlich mit der Wahl seiner Instrumente. Der wertvolle Steinway stammt aus dem Jahr 1901, aus einer Zeit, als sich der Komponist gerade in der Anfangsphase seines Schaffens befand. Schönberg verwendete auch einen Steinway bei den Konzerten seines Vereins für musikalische Privataufführungen.
Die Wahl des alten Flügels ist aber nicht die einzige Entscheidung, die Interpretation möglichst authentisch zu machen. Rittner spielt außerdem auf einem noch älteren Instrument: auf einem Streicher-Piano von 1870, das sogar noch vor der Geburt Schönbergs gebaut wurde. Das Streicher-Clavier war zur Zeit Schönbergs in Wien weit verbreitet, man kann davon ausgehen, dass dieses Instrument seine Klangvorstellungen geprägt hat. So kommt Rittner beispielsweise dem von Schönberg durch Anweisungen in einigen Werken, so beim ersten Klavierstück op. 11, gewünschten Dämpfungseffekt, besonders nahe.
Die CD ist ein Ticket für eine Reise in die Klang-Zeit Schönbergs, aber sie ist noch mehr: Hardy Rittners Spiel ist sehr wohl darauf bedacht, die Strukturen in Schönbergs Kompositionen herauszuarbeiten. Zudem legt der junge Pianist viel Wert auf Melodik und frei schwingende Momente und liefert so eine ganz individuelle, aber dennoch Schönberg-nahe Interpretation.

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