Wie ein guter Wein, braucht Musik Luft zum Atmen. Das gilt für den kreativen Prozess der Stückentwicklung und die Arrangements ebenso wie für den Ort, an dem die Musik gespielt wird. Einen ganz besonderen Topos haben wir für unsere erste Produktion CONTINUUM gefunden: den Konzertsaal der malerischen Abtei Marienmünster. Gerade für unser auf dieser CD vorgestelltes Repertoire, das geistliche und weltliche Musik des Barock und der Renaissance mit Jazzelementen verbindet, war das altehrwürdige Kloster ein perfekter Referenzraum, der uns inspirierte, motivierte und unser Zusammenspiel immer wieder aufs Neue beflügelte. Bei der Stückauswahl haben wir uns an bekannten– aber auch an teils unbekannteren Werken - orientiert, die wir Ihnen in der Jazz’N’Spirit-Bearbeitung hiermit gerne vorstellen möchten. Begleiten Sie uns auf eine musikalische Entdeckungsreise, die durch die Jahrhunderte führt und im Heute endet. Eine abwechslungsreiche Entdeckungsreise, die den Bogen spannt zwischen klassischer Musik, Jazz, Worldmusic - und manchmal auch Pop. Eingängig, emotional und facettenreich. Und ein unverfälschtes Klangerlebnis obendrein.
1. Becker-Psalm 58 (Heinrich Schütz 1585-1672/ Arrangement: Martin Flindt)
Dieses Arrangement ist näher an der „Pop-Musik“- alle drei Instrumente sind im Thema komplett ausgeschrieben. Hier haben wir uns vom Gestus des Textes verhältnismäßig weit entfernt, geht es dort doch um Rachegelüste den ungerecht Herrschenden gegenüber, die Gott bedienen sollten.
2. Nach Grüner Farb‘ mein Herz verlangt (Michael Praetorius aus ‚musae sioniae‘ 1610/Arrangement: Martin Flindt)
Diese Bearbeitung ist direkt vor den Aufnahmen entstanden. Uns gefiel ganz besonders die Aussage und fröhliche Grundstimmung des Originals.
3. Come again (John Dowland 1563- 1626/ Arrangement: Dirk Piezunka)
... ein wunderschönes und bekanntes Liebeslied von John Dowland. Häufig in der Chorfassung zu hören, wird erst recht durch die Instrumentalisierung die musikalische Substanz des Stückes freigelegt. In diesem Stück wird für uns immer in besonderer Weise spürbar, wie Musik die Zeit überdauert. Wir empfinden jedes Mal die jugendliche Frische und Emotionalität dieser musikalischen Liebeserklärung eines John Dowland, der schon vor hunderten von Jahren gestorben ist.
4. Das alte Jahr vergangen ist (Johann Steuerlein 1588/ Arrangement: Dirk Piezunka)
Eine ergreifende und melancholische Melodie, die zu der Winterstimmung des Jahreswechsels passt. Die freie Improvisation am Anfang nimmt die großartige Akustik des Raumes auf und führt sie in ein reduziertes, harmonisches Zusammenspiel.
5. Wer nur den lieben Gott lässt walten (Georg Neumark 1657/ Arrangement: Dirk Piezunka)
Nicht jede Choralmelodie ist für eine Jazz- Reharmonisation wirklich geeignet. Diese Melodie jedoch, hat uns alle inspiriert und gereizt, etwas Neues daraus zu machen.
6. She moved through the fair ( Irisches Lied, Komponist unbekannt, Erstveröffentlichung 1909/ Arrangement: Dirk Piezunka)
Einem besonderen Moment verdankt dieses irische Traditional die Aufnahme in das Repertoire: Dirks Freundin Aike- Sofie hat es in einer kleinen dänischen Dorfkirche angestimmt – und damit einen wundervollen Moment geschaffen, der intensiver kaum hätte sein können. Der Text beschreibt, wie viele andere irische Traditionals, eine unerfüllte Liebe und transportiert eine tiefe Melancholie – ganz wie ein Nebel verhangener Tag am Ring of Kerry.
7. Andantino aus Opus 35 (Fernando Sor 1778-1839/Arrangement: Martin Flindt)
„Ich habe als kleiner Junge mit der Klassikgitarre angefangen - und Fernando Sor ist einer der typischen Etueden- Komponisten mit denen man dabei fast zwangsläufig in Berührung kommt. Seit dem liebe ich dieses Stück...“, unterstreicht Martin Flindt. Ursprünglich im 2/4-Takt geschrieben, einwickelt es im ¾-Takt eine völlig neue Dynamik.
8. Lobt Gott ihr Christen alle gleich (Nikolaus Herman 1554/ Arrangement: Dirk Piezunka)
Einer der bekanntesten Choräle für die Weihnachtszeit. Der ungerade Groove des Arrangements wird getragen durch die Bassklarinette. Das schafft Raum für einen Rollentausch: Jens Piezunka streicht die Choralmelodie auf dem Bass. Im Zwischenspiel ist ein Zitat von Joni Mitchells „I had a King“ eingebunden.
9. Pavane (Toinot Arbeau 1589/ Arrangement: Dirk Piezunka)
Ein ebenfalls sehr bekanntes Chorlied. Eines der wundervollsten mittelalterlichen Liebeslieder, das uns immer wieder tief berührt.
10. Ein feste Burg ist unser Gott (Martin Luther 1528/ Arrangement: Martin Flindt)
Uns gefiel der Original Chorsatz sehr gut und so kamen wir auf die Idee, die vier Stimmen zu verteilen, so dass das Sopran die 1., die Gitarre die 2. und 3. und der Bass die 4. Stimme spielt. Bei den Aufnahmen haben wir dann spontan eine Kollektivimprovisation eingebaut, die mit gegenläufigen Stimmen arbeitet und sich vom barocken Stil langsam zum Jazz entwickelt. Im letzten Thema lassen wir diese Entwicklung dann wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren.
11. Lobet den Herren (1665 unbekannter Komponist, Text von Joachim Neander 1680/ Arrangement: Dirk Piezunka)
Wahrscheinlich die bekannteste Choralmelodie überhaupt. In der Reharmonisation spielen wir das Stück wie einen alten, klassischen Jazz-Standard.
12. Nun ruhen alle Wälder (Paul Gerhardt 1647/ Arrangement: Martin Flindt)
Auf dieses Stück hat uns die Sängerin Hanna Jursch aufmerksam gemacht. Ihr möchten wir dieses Arrangement auch widmen. Wir hatten von Anfang an die Idee, es abends als letztes Stück unserer Aufnahme-Session zu spielen, wenn es draußen schon dunkelt und man eigentlich den Eindruck hat, die Arbeit sei bereits getan.

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